Seit Montag, 27.04.2020, kehrt langsam wieder Leben in unsere Schule zurück. Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen hatten ihren ersten Schultag seit der coronabedingten Schulschließung im März. Dabei haben unsere Abschlussschülerinnen und -schüler den Vorteil, dass sie jeden Tag Unterricht haben. Von der Landesschulbehörde war eine wechselnde Beschulung in halben Gruppen vorgesehen. Wir haben jedoch ausreichend Lehrkräfte und Räume, sodass wir diese Gruppen in der anstrengenden Abschlusszeit gut unterstützen können.

Ganz still war es natürlich vorher auch nicht in der Schule. Einzelne Schülerinnen und Schüler nutzen die Notbetreuung und der Kopierer läuft auf Hochtouren, um Lernpakete zusammenzustellen. Wo es geht, werden die Lernpakete natürlich auch digital versendet um Ressourcen zu sparen. Jede Lehrkraft nutzt mehrere Medien, damit der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern aufrechterhalten bleibt.

Über unseren Schulserver IServ werden vor allem für die Schülerinnen und Schüler der Oberschule und für die Beschäftigten viele nützliche Module angeboten. So besteht ein reger E-Mailverkehr, Aufgaben und Dateien können hochgeladen werden und auch von zuhause kann darauf zugegriffen werden. Parallel dazu werden Messenger genutzt. Da wir nicht voraussetzen wollen, dass alle Arbeitsblätter ausdrucken können, gibt es in allen Klassenstufen gezielte Angebote, Lernpakete abzuholen. Damit auch hierbei die Abstandsregeln eingehalten werden können, findet dieser Kontakt zum Teil über Klassenraumfenster statt. In machen Klassen telefoniert die Klassenleitung täglich mit den einzelnen Schülerinnen und Schülern oder bespricht über Videokonferenzen Aufgaben. Besonders schwierig ist es natürlich, neue Inhalte zu vermitteln. Zur Einführung neuer Buchstaben in den 1. Klassen drehen Grundschullehrerinnen beispielsweise kleine Videos und stellen diese in eigenen Youtube-Kanälen ein. Auch werden bearbeitete Aufgaben hin- und hergeschickt und digital korrigiert. Dies setzt ein hohes Maß an Professionalität und Improvisation im Kollegium voraus, zumal die Serverleistungen nicht immer ausreichen. Aber es ist schon immer unser Anliegen gewesen, nah an den Schülerinnen und Schülern zu sein. Dies gilt jetzt in besonderem Maße.

Natürlich musste die Wiederöffnung intensiv vorbereitet werden. Die Klassenlehrerinnen haben fleißig Mund-Nasen-Bedeckungen genäht. Alle haben einen Mundschutz für die Schule bekommen. Die Schülerinnen und Schüler sind nicht verpflichtet, diese Bedeckungen zu tragen. Wir bitten sie aber darum in den Pausen und auf den Schulfluren. Die Klassenräume sind so eingerichtet, dass ausreichend Abstand gehalten werden kann. Die Schülerinnen und Schüler wurden sehr intensiv belehrt, wie sie sich angemessen verhalten.

Jede Schule hat einen Schul-Hygieneplan. Der Neuenkirchener Plan wurde letzte Woche durch einen „Corona-Hygieneplan“ ergänzt. Damit wir für die Absprachen ausreichend Zeit hatten, war er schon am Mittwoch fertig und musste dann nur noch mit dem Rahmenplan der Landesschulbehörde abgeglichen werden. So konnten alle Regelungen rechtzeitig umgesetzt werden. Frau Schrader, die Hygienebeauftragte und Leiterin des Schulsanitätsdienstes, hat Markierungen und Pfeile an den Waschräumen und in den Durchgängen angebracht. Auch die Anleitungen zum richtigen Händewaschen wurden erneuert. Unterstützt wurde sie durch Kolleginnen, die u.a. dazu noch Schilder mit der AHA-Regel (Abstand, Händehygiene, Alltagsschutzmasken) vervielfältigt und aufgehängt haben.

Das Hausmeisterteam und die Reinigungskräfte müssen jetzt eine hohe Flexibilität zeigen. Viele Räume werden noch nicht genutzt, andere müssen aber häufiger und gründlicher gereinigt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Waschräumen, auf „Grabbelflächen“ und auf den Arbeitsflächen in Klassenräumen und Arbeitsbereichen. Hier können wir immer wieder froh sein, dass wir ein Reinigungsteam haben, das sich mit unserer Schule verbunden fühlt. Seife und Reinigungsmittel stehen ausreichend zur Verfügung. Nach den Vorgaben des RKI ist die Reinigung mit den üblichen Reinigungsmitteln sinnvoll. Dabei werden die Viren zerstört. Desinfektionsmittel werden nur in Einzelfällen verwendet.

Die langsame Wiederöffnung ist gut geplant, kann aber jederzeit durch neue Vorgaben verändert werden. Vorgesehen ist, dass die 4. Klassen ab 4.5. in halber Klassenstärke und in täglichem Wechsel Präsenzunterricht haben. Danach starten nach und nach die Klassen, die im nächsten Jahr Abschluss machen und die 3. Klassen. Eine weitere Planung ab Ende Mai ist von der Landesschulbehörde noch nicht vorgesehen. Bei der Stundenplanung versuchen wir auch zu berücksichtigen, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig Schulschluss haben, damit sich auch die Schulbusse an die steigenden Schülerzahlen anpassen können.

Für alle ist dies eine sehr besondere Zeit. Als ländliche Grund- und Oberschule haben wir da bestimmt Vorteile. Man kennt sich und wir haben Platz – im Garten, zum Spazierengehen, auf der Straße. Wir erleben, dass sich die Beschäftigten der Schule und auch die Eltern und Erziehungsberechtigten über alle Erwartungen hinaus engagieren. Es ist natürlich deutlich schwieriger, Schülerinnen und Schüler aus der Ferne zu unterrichten, ohne ihnen im richtigen Moment einen kleinen Hinweis oder Zuspruch geben zu können. Die Kommunikation über digitale Medien ist viel zeitaufwendiger als ein kurzes Gespräch, „Home-Office“ und „Lernen zuhause“ sind weder für Eltern noch für Lehrkräfte mit eigenen Kindern unter einen Hut zu bringen und täglich kommen neue Regelungen für das Alltagsleben und die Schule insbesondere, die beachtet und umgesetzt werden müssen. Noch dazu sind viele durch die Auswirkungen der Corona-Krise belastet, sei es durch Angst um die Gesundheit oder darum, wie es familiär oder beruflich weitergehen soll. All dies sind Aspekte, mit denen sich das Kollegium täglich auseinandersetzt und versucht, unseren Schülerinnen und Schülern nah zu sein und sie zu unterstützen. Und wir sind zuversichtlich, dass es eine andere, aber keine vertane Zeit ist, die den Wert des Lebens und der Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt.

Karen Michel
Didaktische Leitung (komm.) der GOBS Neuenkirchen

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